Deutschland 2004; 120 Min.
Regie und Buch: Pepe Danquart; Musik: Till Brönner; mit: Erik Zabel, Rolf Aldag, Andreas Klöden, Alexander Winokurow u.a.
FSK: ohne Altersbeschränkung
Zum 100. Bestehen der Tour de France hat der gebürtige Singener und Oscar-Preisträger Pepe Danquart eine Dokumentation über die „große Schleife“ gedreht. Dass er überhaupt während der Tour drehen durfte, grenzt an eine kleine Sensation. Die Tourleitung wacht sehr genau über ihr Monopol der Fernsehberichterstattung. Danquart hat sich zudem über 2 Jahre mit Erich Zabel und Rolf Aldag angefreundet, bis diese genug Vertrauen hatten, über ihre Gedanken und Gefühle vor der Kamera zu reden.
Höllentour zeigt das Drumherum des härtesten Radrennens der Welt. Den Kampf der Fahrer gegen den inneren Schweinehund, das Zusammenleben von Zabel und Aldag, die sich seit 11 Jahren die Hotelzimmer teilen und wie ein altes Ehepaar benehmen. Gleichzeitig hat Danquart faszinierende Bilder vom Rennen selbst eingefangen. Bilder von der Quälerei auf den Berg- etappen, von dem Risiko beim Zeitfahren. Über die Geschichte der Tour erzählt ein französischer Journalist wie von einem Heiligtum, und die Radsportfans werden dabei beobachtet, wie sie den vorbeifahrenden Teams auf der Straße und gleichzeitig auf dem Fernseher im Wohnmobil zuschauen. Am Intensivsten ist der Film, wenn wir Erik Zabel im Tourbus dabei zuschauen, wie er vor der nächsten Bergetappe echte Angst zeigt oder sich nach dem Zeitfahren völlig außer Atem ärgert, „nur“ einen Schnitt von 42 km/h gehabt zu haben. Aus den Supersportlern werden so sehr menschliche Personen.
Interessant ist, wie ein Sport, der fast ausschließlich über das Medium Fernsehen transportiert wird, normalerweise nur eingeschränkt – beinahe zensiert wahrgenommen werden kann. Pepe Danquart bricht diese Schranken auf und zeigt das Tour-Leben neben den Fernsehbildern auf sehr spannende Art. Unterlegt ist der Film mit dem jazzigen Soundtrack von Till Brönner. AStA-Kino und Zebra zeigen diesen Film im Tour-Monat Juli unter freiem Himmel. Wo sonst.
P.S.: Bei Regen findet die Veranstaltung im Audimax der Universität statt!