Italien 2001; 88 min.; (OmU) – Regie: Monica Stambrini; Drehbuch: Monica Stambrini, Anne Riitta Ciccone; mit: Maya Sansa, Regina Orioli, Mariella Valentini u.a.

Eine Tankstelle in Italien. Der Tankwart – eine Frau Anfang 20. Abgewetzte Jeans, Lederstiefel, Öl verschmierte Hände – das ist Stella (Maya Stansa). Sie ist die personifizierte Synthese aus absolut heiß und unglaublich cool. Stellas Freundin Lenni (Regina Orioli) kommt aus gutem Haus und sieht mit Brille und Seitenscheitel fast brav aus – ist es aber nicht. Welten treffen zusammen als Lennis dominante Mutter auf Pfennigabsätzen und im weißen Kostüm dem Paar von der Tankstelle ihre Aufwartung macht. Die weiße Matriarchin hat entschieden etwas gegen die „lesbische Brille“ ihrer Tochter und dementsprechend auch gegen deren Partnerwahl. An dieser Stelle kommt die Geschichte so richtig in Fahrt – im wahrsten Sinne des Wortes, denn der Film entwickelt sich zu einem ausgewachsenen Roadmovie à la Thelma und Louise mit Leichen, ordentlich Speed und Handschussfeuerwaffe.

Spätestens wenn die Stimme der Mutter (ihr Name spielt keine Rolle) beginnt, sich aus dem ‚Off’ einzumischen und die Spritztour der zwei Frauen gnadenlos zu kommentieren, wird deutlich, dass der Film sich selbst nicht ganz so ernst nimmt wie es zunächst scheint. Gasoline ist der erste Spielfilm von Monica Stambrini. Sie spielt mit Stereotypen, reizt die Femme/Butch Klischees bis zum Äußersten aus und schafft es dennoch, eine Atmosphäre zu kreieren, die mit Lynch Filmen einerseits, mit lesbischen Klassikern wie Bound andererseits verglichen wurde.

Gasoline ist ein road-movie, super bleifrei, dafür mit viel Selbstironie – anyone up for an explosive (joy)ride?