Selten räumt ein Film den Figuren noch vor der Handlung den Vorrang ein. Garden State zeichnet sich in dieser Hinsicht besonders aus: Die Geschichte bleibt dezent im Hintergrund und bietet als Schauplatz den Charakteren Raum zur Entfaltung ihres Charmes.

Im Mittelpunkt steht der stark introvertierte Andrew (Zach Braff). Die Beerdigung seiner Mutter führt ihn zurück in die kleinstädtische Vorgartenwelt seiner Kindheit und Jugend, die er jahrelang gemieden hat, und konfrontiert ihn nicht nur mit den skurrilen Gestalten der Provinz, sondern zwingt ihn vor allem, seiner Vergangenheit ins Auge zu sehen. In seiner Reise durch den kuriosen kleinstädtischen Alltag findet er sein Gegenbild in der quirligen, extrovertierten Samantha (Natalie Portman), die für ihn lachen und weinen kann, wo er selbst keine Tränen findet.

„Unaufdringlich“ ist wohl das bezeichnendste Prädikat für Garden State – und genau diese charmante Unaufdringlichkeit gibt dem Film seine einnehmende Kraft. So dezent der bisweilen zutiefst sarkastische Humor eingestreut wird, so subtil werden die Beziehungen und Entwicklungen der Charaktere vermittelt. Sogar die sich langsam entfaltende persönliche Tragik der Geschichte kommt ganz ohne das gängige schwere Pathos aus, wie auch die Liebesgeschichte durch ihre jugendliche Frische geschickt den Kitsch umschifft.

Cineastisch fällt Garden State durch seine wohlkomponierten Bilder auf, die durch ihre Farbkraft und Konzeption das Geschehen kommentieren. Insbesondere die Einrichtung der Häuser drückt als eine Seelensprache die Befindlichkeit ihrer Bewohner trefflich aus. So steht das sterile Weiß seines Schlafzimmers, das ihn geradezu verschluckt, für Andrews Katatonie zu Beginn des Filmes ein, während Samanthas Wohnung voller Orangetöne, Hunde und Hamster von Lebensfreude spricht.

Garden State ist ein leiser Film, tragikomisch, skurril und romantisch – ein Film mit einer tiefen Wirkungskraft, gerade weil er auf vordergründige Effekte verzichtet.