Bei chinesischem Film denken viele Okzidentler als erstes immer noch an Martial Arts und Spezialeffekte à la Hero. Aber es gibt eben auch anderes Kino aus China, das nicht von fliegenden Kämpfern handelt, sondern von ganz alltäglichen Helden.

Fish and Elephant ist ein solcher Film. Die Regisseurin Li Vu nimmt sich Zeit Emotionen auszuspielen und Bilder wirken zu lassen. Es ist die Geschichte von Xiao Qun, einer Elefantenpflegerin, und Xiao Lind, die in einem Bekleidungsgeschäft arbeitet. Zwei Frauen, die einander lieben und dies hinter geschlossenen Türen auch leben – etwas Uner(ge)hörtes und ungesehen in China. So scheint auch im Film die Gesellschaft mit ihrem Lärm und Alltag ausgesperrt, wenn Qun und Ling zusammen sind. Die Freiheit zu lieben wen man will, das bleibt ein Privileg, das nur privat ausgelebt werden kann.

Als die Mutter von Xiao Qun bei ihrer Tochter einzieht um diese endlich zu verheiraten, wird die Zweisamkeit der beiden Liebenden dadurch erheblich beeinträchtig. Es ist nur noch eine Frage der Zeit bis Xiao Qun sich gezwungen sieht ihrer Mutter zu erklären, dass sie nicht an Männern interessiert ist. Und dann taucht auch noch Junjun auf, eine einstige Geliebte Xiao Quns. Sie muss sich verstecken und sucht Zuflucht im Elefantenhaus, womit sie die Beziehung zwischen Xiao Quns und Xiao Linds noch weiter strapaziert wird.

Li Vu’s Film ist der erste chinesische Film, der erotische Liebe zwischen Frauen thematisiert und damit ein Tabubruch. In einem fast dokumentarischen Stil gelingt Li Vu mit ausschließlich Laiendarstellern ein großartiger Film. „Es ist kein Frauenfilm, nur die Hauptdarsteller sind Frauen“, sagt Li Vu über Fish und Elephant. Die beiden Protagonistinnen waren übrigens auch jenseits der Leinwand ein Paar.