Alice ist 16 und gerade von ihrer Mutter in ein katholisches Mädchenheim gegeben worden. Sie war viel zu jung, als sie schwanger wurde und konnte mit einem Kind nichts anfangen, wird sich die Mutter später rechtfertigen. Solchermaßen ungeliebt will Alice irgendwas sein, nur nicht sie selbst. Die Ärzte haben bei ihr Hyerakusis diagnostiziert, eine Krankheit, bei der man seine Umgebung zu laut wahrnimmt. Dies ist Ausdruck für die stille und zurückgezogene Art von Alice, bei den eher ruppigen Mädchen im Heim Projektionsfläche für Gemeinheiten aller Art. Nur die junge Kurdin Berivan versucht Freundschaft zu schließen, was ihr nach anfänglicher Zurückweisung auch gelingt. Sie wartet auf ihren Asylentscheid und hat ein Geheimnis, das um keinen Preis verraten werden darf. In ihrem Bemühen, es allen recht zu machen und sich gleichzeitig selbst zu schützen, eskaliert die Situation schließlich.

Was an diesem Film fasziniert, ist die aus der Perspektive von Alice stark subjektive Schilderung der Ereignisse, die von der Kamera teils hyperrealistisch, teils surreal eingefangen wurde. Ebenso wurde die Hyperakusis in einigen Momenten für die Zuschauer fast schmerzhaft auf der Tonspur niedergelegt, dafür wurde auf Musik größtenteils verzichtet. Trotz der Thematik ist dies ein sehr schöner Film, wie zum Beispiel in der grotesken Szene, wo Alice mit einem Hirschgeweih als Erbstück ihrer Tante nach Hause läuft.

Die Kritik bezeichnete den Film als einen der besten des letzten Jahres. Da verwundert es nicht, dass er in Locarno den Silbernen Leoparden für den Besten Film und die beiden Hauptdarstellerinnen gemeinsam den Goldenen Leoparden als Beste Hauptdarsteller erhalten haben. Im März ist er nun endlich auch in Konstanz in unserer Reihe Junger deutscher Film zu sehen.