Melanie hat ihre erste Stelle als Lehrerin erhalten. Neue Stelle, neue Stadt, voller Enthusiasmus beginnt sie an der Schule zu arbeiten. Nur leider ist die Realität ganz anders als das Studium sie hat glauben machen.
Ist es Naivität oder Idealismus, was Melanie antreibt? Sie bemüht sich Kontakte zu knüpfen und ein gutes Verhältnis zu den Schülern herzustellen. Allerdings: das Kollegium betrachtet „die Neue“ eher ablehnend und die Schüler nutzen ihre Schwäche aus. Man darf beobachten, wie Melanie mit voller Peinlichkeit vergebens versucht, ihre Nachbarin Tina als Freundin zu gewinnen – eine Boutique-Besitzerin, mit der sie so gar nichts gemein hat. Immer weiter manövriert sie sich so in eine ausweglose Situation, weil sie die Vergeblichkeit ihres Verhaltens nicht begreift und, wie man so sagt, irgendwann „den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht“. Dies mündet dann in der sicherlich poetischsten Szene des ganzen Films.

„Das Meisterhafte dieses knallharten dokumentarischen Realismus’ ist der Balanceakt auf dem schmalen Grat zwischen Lächerlichkeit, Mitleid und blankem Entsetzen, mit welchem der Zuschauer den Leidensweg von Melanie begleitet“, so schreibt der Schnitt. Sensationell ist Eva Löbau in der Hauptrolle. Zwischen all der tragischen Realität blitzt immer wieder Situationskomik auf, die uns mit und über Melanie lachen lässt. So geriert sich der Film als anschauliches Lebensbeispiel für alle angehenden Referendare und LehrerInnen.

„Der Wald vor lauter Bäumen“ war dieses Jahr als ‚Bester Spielfilm‘ für den Deutschen Filmpreis nominiert und ist #11 in unserer Reihe Junger deutscher Film. Mit diesem Film setzen wir die Kooperation mit dem Weitwinkel-Kino Singen fort.