„Anständige, junge, deutsche Soldaten bei der Arbeit“, so hört man den voice-over-Kommentar des Regisseurs. Eine fröhlich-beschwingte Marschmusik erklingt. Wir sehen eine Fotografie. Im Bildhintergrund sind deutsche Wehrmachtssoldaten zu sehen, die im Halbkreis um eine im Vordergrund kniende Person gruppiert sind. Einer der Soldaten steht breitbeinig direkt neben dem in demütiger Geste verharrenden Zivilisten. Der „anständige, junge, deutsche Soldat“ steht leicht nach vorn gebeugt. Seine Arme sind in einer wuchtigen Ausholbewegung erhoben. In seinen Händen hält der „anständige, junge, deutsche Soldat“ eine Axt. Eine Hinrichtungsszene.

Genau in diesem Stil hält sich diese außergewöhnliche Dokumentation über den „gewöhnlichen Faschismus“. Man sieht eine collagenartige Bildmontage aus Archivmaterial der Alliierten, Auszügen von Wochenschauen und Fotografien. Das Besondere dieser Doku ist die Ton-Bild-Montage. Die (synchronisierte) Stimme des Regisseurs Mikhail Romm lässt die Bilder nicht für sich stehen, sondern kommentiert sie in sarkastisch-ironischer Art aus dem Off in sehr subjektiver Weise und macht das Grausame und Unmenschliche, das schon den Bildern innewohnt, noch deutlicher, noch „sichtbarer“.

Man könnte über das Unfassbare beinahe lachen, so „unterhaltsam“ – wenn man dieses Wort in diesem Kontext verwenden darf – ist die Machart dieser außergewöhnlichen Dokumentation. Mikhail Romm gibt den Faschismus der Lächerlichkeit preis, ohne ihn zu verharmlosen. Die Doku ist aber nicht nur ein eindrucksvolles Plädoyer gegen den Nationalsozialismus in Deutschland der Jahre 1933 bis 1945, sondern auch gegen jede andere menschenverachtende Gewaltherrschaft zu jeder Zeit und an jedem Ort und behält daher eine ewig gültige Aussage – ein klares Bekenntnis zum wahrhaft Humanen im Menschen.

Dokumentation; Sowjetunion 1965; 133 Min.
Regie: Mikhail Romm; Schnitt: Valentina Kulagina; Ton: Sergei Minervin, Boris Vengerovsky
FSK ab 12