Harvey Pekar ist kein netter Mensch. Verbittert, voller Selbstmitleid, schlecht gelaunt, cholerisch und frustriert über seinen dead end-Job als Aktensortierer in der Verwaltung des Krankenhauses von Cleveland/Ohio, ist er ein Versager wie aus dem Lehrbuch.

Als er eines Tages den Comic-Zeichner Robert Crumb (Fritz the Cat ) auf einem Flohmarkt kennenlernt, ist diese Begegnung die langersehnte Wende in seinem Leben. Er zeigt Crumb seine von ihm selbst dilettantisch illustrierten autobiographischen Comics, von denen dieser begeistert ist. Von nun an arbeiten die beiden zusammen: Harvey schreibt die Geschichten, Crumb illustriert sie, und die „American Splendor“- Reihe ist geboren, die prompt zum Kult-Comic mutiert.

In der höchst skurrilen Comicbuchhändlerin Joyce (der selbsternannte grösste American Splendor – Fan) findet er schliesslich sogar die Frau seines Lebens. Harveys Krebserkrankung nehmen die beiden mit dem American Splendor-typischen trockenen Humor: sie schreiben ein Buch über ‚Our Cancer Year’… Seit über zwei Jahrzehnten zeugen die American Splendor-Comics von der amerikanischen Herrlichkeit des Banalen, das sich nirgends typischer widerspiegelt als im Leben dieses Einzelkämpfers aus Cleveland. In seiner formalen Vielschichtigkeit ist American Splendor eine großartige Neuerfindung der Filmbiographie: Eingeblendete Textfelder verbinden die Szenen, Gedankenblasen geben dem Film eine comicartige, vierte Dimension.

Dazu kommentiert der echte Harvey Pekar aus dem Off die Verfilmung seines Lebens. Paul Giamatti, der leider fast nur in bizarren Nebenrollen zu bewundern ist, ist in der Rolle des Harvey Pekar eine Offenbarung. Von Beginn an fühlt man mit ihm, lacht mit ihm über die hinterhältigen Absurditäten des Alltags, verliebt sich mit ihm in die grotesk bebrillte und auch sonst einfach zauberhafte Hope Davis (als Joyce Brabner) und kichert mitfühlend über seinen Stimmverlust, der ihn den halben Film über unartikuliert krächzen läßt ein Schicksal, das in dieser Form bestimmt auch noch keinem Hollywood-Helden widerfahren ist.

Von der inhaltlichen und formalen Originalität einmal ganz abgesehen, ist American Splendor ein Meisterwerk amerikanischen Maverick-Kinos, das seinesgleichen sucht. Als Vergleich herhalten kann höchstens die genauso wunderbare und bizarre Comic-Verfilmung Ghost World von Terry Zwigoff, der als ehemaliger Dokumentarfilmer und Comic-Liebhaber wie Springer Sherman und Pulcini ganz bestimmt ein Bruder im Geiste ist. American Splendor erhielt in Cannes den FIPRESCI-Award, am Sundance Filmfestival den großen Preis der Jury und war für einen Oscar für das beste adaptierte Drehbuch nominiert.