Al Pacino’s Looking For Richard

Das Drama „Richard III“ ist gesamt besehen Shakespeares meistgespieltes Stück am Theater. Es liegt vor „Hamlet“ oder „Romeo und Julia“, die im Gegenzug die Liste der Shakespeare-Verfilmungen anführen. „Richard III“ bildet den Abschluß der ‚Königsdramen’, die mit dem politischen Mord einen roten Faden haben. Den Schlussakzent in der Linie der ‚mordenden Herrscher’ setzt Richard III. Seit Thomas Moore wird Richard III als ‚der Bucklige’ in den Chroniken geführt und wird von dort aus vollends zum besonderen Scheusal transformiert.

Figuren des Bösen haben Shakespeare fasziniert und Shakespeare-Figuren faszinieren uns bis heute. Dieser Faszination hat Al Pacino nachgegeben und einen persönlichen, dokumentarischen Film mit Spielszenen über Shakespeare, Shakespeare in unserer Zeit und die merkwürdige Faszination des Bösen geschaffen. Pacino, der neben seiner Filmarbeit stets Theater gemacht und alle wichtigen Theaterpreise gewonnen hat, ist hier zum ersten Mal als Regisseur tätig. Mit einem Ensemble von Freunden (Baldwin, Spacey, Ryder) beginnt er „Richard III“ zu inszenieren. Wir erleben mit, wie sich die Schauspieler mit dem Stück auseinandersetzen, sich die Figuren aneignen. Damit nicht genug: Pacino spricht mit den Menschen auf der Straße, mit Ausnahme-Darstellern und Wissenschaftlern. Dabei kommt es nicht selten zum Streit. Die stärksten Szenen in einem außergewöhnlichen Film sind allerdings die, in denen der Meister selbst in die Rolle von Richard schlüpft. Das Zebra-Kino zeigt den Film in Kooperation mit dem Stadttheater, wo „Richard III“ am 21. September Premiere hatte.