Die Filme in unserer Reihe Junger deutsch[sprachig]er Film – soviel zeichnet sich ab – sind auch immer Filme, die herausfordern, sich mit einem Thema auseinander zu setzen. So auch in Film #4: Warum greift ein Kriegsdienstverweigerer zum Gewehr, um das Leben der Leute um ihn herum zu verändern? Das zumindest ist ein Thema, das die männliche Minderheit in dieser Republik direkt berühren dürfte.
Lukas Eiserbeck macht seinen Zivi und fährt Essen aus. Sonst hat er wenig Kontakt, und nicht nur in seiner Arbeit ist er umgeben von exzentrischen und einsamen Menschen. In seiner Freizeit rudert er. Eines Tages lernt er Isabella kennen, ein wunderschönes, faszinierendes Mädchen. Er verliebt sich in sie und versucht sie zu beschützen und zu behüten. Als er herausfindet, dass sie ein Verhältnis mit ihrem Stiefvater hat, keimt in ihm der Entschluss, sich ein Gewehr zu besorgen.
Dem georgischen Regisseur Dito Tsintsadze (der vorgibt, kein Wort Deutsch zu können) ist mit seiner eigenwilligen Verfilmung des Buches von Spiegel-Redakteur Dirk Kubjuweit ein Film gelungen, der mit einer eigenen Ästhetik aufwartet: angenehm surreal, in den Farben zurückhaltend und dann doch wieder voller Komik. Ganz im Mittelpunkt steht die Hauptfigur Lukas, von Fabian Hinrichs glaubhaft verkörpert. Prächtig: Axel Prahl, der als komischer Kauz im Taucheranzug auf dem Fluss „Toter Mann“ spielt. Die Jury auf dem Filmfestival San Sebastián hat der Film so beeindruckt, dass er in über 50 Jahren als erster deutscher Film überhaupt als Bester Film ausgezeichnet wurde. Diese Auszeichnung wurde ihm in Tblissi auch zuteil. Es scheint, als seien es gute Zeiten für den deutschen Film. Unser Tipp!
Übrigens: Wenn man die Augen schließt, bevor man abdrückt, das ist Schussangst.
