Eoin Moore ( u.a. “Plus Minus Null” ) hat einen Film über Gewalt gemacht. Keinen gewalttätigen Film. Der in Berlin lebende Ire hat vielmehr ein Psychogramm eines neurotischen Täters gezeichnet. “Pigs Will Fly” verfolgt schmerzhaft nahe die Verhaltensmuster eines Mannes, der ein Gefangener seiner Selbst ist.
Der 37-jährige “Laxe” (Andreas Schmidt) ist Polizist. Er lebt und arbeitet im Märkischen Viertel in Berlin, geht gewissenhaft seinem Dienst nach und … verprügelt seine Frau. Der stets korrekte Freund und Helfer gibt sich in den eigenen vier Wänden hemmungslos seinen unkontrollierten, heftigen Gewaltausbrüchen hin. Als er seine Frau Manuela zum wiederholten Mal aufs Übelste zugerichtet und krankenhausreif geschlagen hat, kann auch das Präsidium nicht mehr länger die Augen verschließen und suspendiert den verhaltensgestörten Laxe.
Während Manuela im Krankenhaus zusammengeflickt wird, entschließt sich Laxe eine Auszeit von seiner kaputten Ehe und seiner trostlosen Umgebung zu nehmen und fliegt nach San Francisco um seinen Bruder Walter zu besuchen. Dort angekommen hat es zunächst den Anschein als prallten Welten aufeinander. Die Lebensentwürfe der beiden Geschwister könnten unterschiedlicher kaum sein. Der Kontrollfreak Laxe begegnet seinem Bruder im hippiesquen Heighten Ashbury, wo dieser in einer Wohngemeinschaft ein fleisch- und gewaltloses Leben lebt. Der beurlaubte Schläger lernt die Mitbewohnerin von Walter, Inga, kennen und verliebt sich in die orientierungslos wirkende aber selbstbewusste Frau (Laura Tonke). Er drängt sich in ihr Leben und will fast zwanghaft ihr Chaos ordnen -auch wenn es nur durch ein Regal ist.
In der Beziehung zu seinem friedliebenden Bruder Walter wird Laxes Trauma sichtbarer, ohne nach Entschuldigungen zu suchen. In ihrer Kindheit beide vom brutalen Vater misshandelt, zeigt Walters Lebensweg, dass Gewalt nicht immer erneute Gewalt erzeugen, gestörtes Verhalten nicht vererbbar sein muss. Walter kämpft dagegen nicht mit den Fäusten, sondern mit der Angst so zu werden wie sein Vater, was ihn praktisch unfähig macht sich auf eine Beziehung einzulassen, und sich durch sein Verhältnis zu Stacey manifestiert.
So hat jeder der Protagonisten sein Bündel zu tragen. Manuela, das Opfer, das erst ein neuer Mensch werden muss bevor sie sich schließlich aus ihrer Rolle befreien kann, der beziehungsunfähige Walter, der krampfhaft versucht sich seiner mutmaßlichen Prädestination zu entziehen, die undurchsichtige und unorganisierte Inga, die von einem Unbekannten ein Kind erwartet und im Mittelpunkt immer wieder Laxe, der brutale Schläger.
Eoin Moore vermeidet in “Pigs Will Fly” klassische Täter-Opfer Muster. Vielmehr zeigt er die Ausweglosigkeit dieses beklemmenden Lebens von Laxe. Kein Ortswechsel vom tristen Berlin ins Selbstverwirklichungsmekka San Francisco kann dem kranken Laxe helfen, immer wieder bricht in Details die latente Störung dieses Geistes an die Oberfläche durch.