Paraíso


Was fällt einem alles ein, wenn man „Cuba“ hört?
Fidel Castro, Ché Guevara, Cuba libre, Mojito, Havana, Cigarillos, alte Autos, Benzinmangel, Versorgungsengpässe, Handelsembargo, Cubakrise, Exilcubaner, Invasion in der Schweinebucht, Putschversuche, Guantánamo, Socialismo o muerte, Salsa, Son und und und…

Nicht zuletzt war Cuba für den ehemaligen Ostblock eine sozialistische Insel der Glückseligen, ja sogar das „Paradies“ der Werktätigen. Damit sind wir auch wieder beim Titel dieses Dokumentarfilms angelangt.

“Paraíso” porträtiert mit Madera limpia (Reines Holz) eine Gruppe junger Musiker in Guantánamo, die mit einfachsten Mitteln aus dem traditionellen Changúy und Elementen aus HipHop, Reggae und Rap einen kraftvollen, eigenen musikalischen Stil entwickelte. Die Dokumentation begleitet die Bandmitglieder in ihrem alles andere als „paradiesischen“ Alltag, der geprägt ist von materiellen Entbehrungen, provinzieller Langeweile und einem harten Überlebenskampf.

Die Dokumentation stellt aber nicht nur die Trost- und Perspektivlosigkeit in der cubanischen Provinz dar. Die Regisseurin hatte eine andere Absicht.
„Es geht darum, wie die Menschen trotz der Armut den Moment genießen, welche Energie frei wird, wie hier die Zeit anders fließt.“, erläutert Alina Teodorescu. Das ist ihr in großartiger Weise gelungen. Die schön fotografierten, poetischen Bilder folgen dem schnellen Pulsschlag der heißen, kraftvollen Musik.

Ein trotz inszenierter Szenen authentisches, mitreißendes Porträt einer Handvoll junger Cubaner, welches das Lebensgefühl einer jüngeren Generation im heutigen Cuba widerspiegelt.

Als kommunales Kino verstehen wir unsere Aufgabe auch darin, jungen, noch wenig bekannten Filmemachern und deren Werken ein Forum zu bieten. “Paraíso” ist der erste Langfilm von Alina Teodorescu, wurde in diesem Jahr mit dem Deutschen Kamerapreis ausgezeichnet und zusätzlich in der Kategorie „Schnitt“ nominiert.