Neufundland

Der Osten Deutschlands, Anfang der 90er Jahre, ist die magische und zugleich ungeahnt schöne Projektionsfläche für das Unbekannte, das wir uns als Neubeginn erhoffen, um Altes zu vergessen. Robert, der Frau und Kind bei einem Unfall verlor, versucht genau das. Alles Alte abstreifend, zieht er los von Köln, der lauten und lärmenden Stadt, um an ruhigen Orten wie alten Tagebaustellen Münzfernrohre aufzustellen. Diese fungieren natürlich mehr als deutlich als Symbol für das Suchen, die ungeahnte Perspektive, die sich einem erschließen kann, wenn man sich auf das Wesentliche reduziert.

Durch eines dieser Fernrohre sieht Robert eines Tages Christiane, die seiner verstorbenen Frau Jule verblüffend ähnlich sieht. Die beiden lernen sich kennen und verbringen eine Nacht miteinander, an deren nächsten Morgen Robert so seine Probleme mit der Orientierung im Plattenbauviertel hat. Auch wenn ihn Christiane äußerlich an seine Frau erinnert, so muss er doch feststellen, dass sie ganz anders ist: offen, lustig, voller Energie. Schien ihn erst seine Vergangenheit wieder einzuholen, so hilft ihm die erwachende Liebe, sich vom Alten zu lösen, seine „Altlasten“ abzubauen – kein einfacher Prozess. Deshalb hilft er Christiane bei einem (umwerfend inszenierten) Raub, den sie aus Gründen der Gerechtigkeit noch durchführen muss. Und irgendwann muss er es noch fertig bringen, ihr den wahren Grund zu nennen, warum er sie angesprochen hat.

“NeuFundLand” ist ein leicht und leise inszenierter Film, der mit Reminiszensen an Hitchcock aufwartet, und hübsche Einfälle wie” Die Fabelhafte Welt der Amélie” hat. Er überzeugt durch seine Intensität, seine schön gefilmten Szenen und die sorgfältige Farbgestaltung. All dies qualifiziert ihn für unseren „Jungen deutsch[sprachig]en Film“.

„Man muss den Blick auf die Dinge richten, die immer übersehen werden. Dann gibt es noch was zu entdecken“, sagt Robert einmal. Das ist doch eigentlich ein schönes Motto für diese Reihe.

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