Ein Berliner Low-Budget-Film der die Metropolensehnsüchte der Kleinstädter mal wieder ein Stück zurückwirft. Warum? Nun ja, wer sehnt sich schon nach ruppiger Randbezirksatmosphäre und den eiskalten Blicken einer klassischen Kiez-Göre. Stell ich euch also Kroko vor, die in diesem (ohne Frage) beachtlichen Debüt ihr Gift in den Hinterhöfen Berlins verteilt und dabei sämtlichen Gegenspielern den Wind aus den Segel nimmt (milde ausgedrückt!)
Kroko lebt mit ihrer Mutter und `ner kleinen nervigen Schwester in Wedding, hat keinen Bock auf irgendeine „Ausbildungskacke“ – wieso sollte sie auch, wenn sich das ein oder andere Brötchen auch mit beeindruckender Diebstahltechnik verdienen lässt – und geht ohnedies lieber ins Solarium oder rumzicken.
Mit einem Hauch Selbstüberschätzung baut Kroko angetrunken, den etwas aufgebrachten und von nervösen Zuckungen befallenen Besitzer des geklauten Wagens neben sich sitzend, einen Unfall. Damit hat sie die Grenzen ihrer Coolness überschritten, wird zu 60 Stunden Sozialarbeit in einer Wohngemeinschaft für geistig und körperlich behinderte Menschen verdonnert und ist, um im Fachjargon zu glänzen, nicht nur „angepisst“, sondern offensichtlich gedemütigt. So steht sie also am ersten Tag ihrer Arbeit vor den vorurteilsbeladenen „Spastis“ und fühlt sich in ihrer Annahme mehr als bestätigt. Von unkontrolliertem Gesabber angeekelt ist sie sich fremd in einem Strudel von liebevoll gemeinter Distanzlosigkeit. Natürlich bemüht sie sich nicht darum, diese Ausgangssituation zu ändern, aber umso länger sie mit diesen Menschen verweilt, umso häufiger liest man ein Lächeln, ich betone Lächeln und nicht Grinsen, in ihrer eisigen Miene.
Sylke Enders bemühte sich nicht (und wir sind froh darüber) um ein nach 60 abgeleisteten Sozialstunden um 180° Grad verwandeltes Kroko-Happy-End. Der ein oder andere Denkanstoss, die Tatsache erkannt zu haben, man kann auch mit und nicht nur über „Spastis“ lachen, entlassen Kroko zurück in ihre Straßengang-Welt. Ob sie in Zukunft etwas besser macht, wag ich zu bezweifeln, trotzdem gehnse rein und stellnse fest, wie man mit wenig Mitteln gute Filme macht.