Als Daft Punks Debutplatte Homework 1996 erschien waren sich alle einig. Die tiefen Gräben zwischen den verschiedenen Musikszenen der Populärkultur wurden vorübergehend zugeschüttet, und so tanzte die HipHop-, Grunge- und Rave-Jugend Hand in Hand durch die Clubs der Nation – vereint unter dem Beat von Songs wie Da Funk, Around the world oder Revolution 909. Als sich Thomas Bangalter und Guy-Manuel de Homem-Christo 2001 mit Discovery, ihrem 2. Album, zurückmeldeten, wussten sie nicht nur durch die Wiederentdeckung von elektrischen Gitarren, sondern vor allem auch durch ihre Musikvideos zu überraschen.
Die Videos zu den Singles “One more Time”, “Aerodynamic”, “Digital Love”, und “Harder, Better, Faster, Stronger”, allesamt gezeichnet von Anime-Legende Leiji Matsumoto, erzählen kurze Geschichten von 4 Musikern, die wahlweise als berühmteste Band des Universums gefeiert werden, oder auf der Flucht vor einer fremden, bedrohlichen Macht sind. Die Clips bieten bereits kleine Ausschnitte einer großen Geschichte. Einer sehr großen sogar: Der Geschichte von Popmusik, von den Wegen zum Ruhm und den Wegesrändern voller Gefahren. Integriert in das Gesamtkonzept des Films, in dem nun alle Songs des Discovery-Albums zu hören sind, hat auch endlich das Rätselraten um den Ausgang der vier Videos ein Ende.
Mit “Interstella 5555″ haben Daft Punk, Leiji Matsumoto und Kazuhisa Takenouchi das erste abendfüllende Anime-House-Musical geschaffen. Wer glaubt, dass Tanzmusik nur auf der Tanzfläche funktioniert, lasse sich bitte vom Gegenteil überzeugen. Von der Transformationskraft der Bilder, oder vom Charmepotential, Housemusik im Kinosessel zu genießen zum Beispiel.
Japan 2003; 67 Min.
Regie: Kazuhisa Takenouchi; Drehbuch: Thomas Bangalter, Cedric Hervet, Guy-Manuel de Homem-Christo; Designs und Visual Supervisor: Leiji Matsumoto; Musik: Daft Punk