In this world

GB 2002; 89 Min.; OmU
Regie: Michael Winterbottom; mit: Jamal Udin Torabi, Enayatullah u.a.

“In this world” erzählt in schockierend authentischen Bildern eine Geschichte von Menschen, die nach einem besseren Leben suchen und eine Tragödie finden. Das Flüchtlingsdrama beschreibt in halbdokumentarischer Manier die Geschichte der beiden afghanischen Cousins Jamal und Enayatullah, die nahe der afghanischen Grenze in Peshawar/Pakistan wohnen. Jamal, der Jüngere, ist Waise und in dem Flüchtlingslager Shamshatoo untergebracht. Tagsüber arbeitet er in einer Ziegelei. Enayatullah arbeitet auf dem Marktstand seiner Familie. Als diese sich entschließt ihn nach England zu schicken, gelingt es Jamal Enayatullah davon zu überzeugen, ihn wegen seiner Englischkenntnisse mitzunehmen. Von nun an gehören die beiden zu der rund einer Million Flüchtlinge im Jahr, die ihr Leben in die Hände von Menschenschmugglern geben. Ihre Reise geht übers Land. Es ist ein langer und gefährlicher Weg, aber entscheidend günstiger. Ihr Weg führt sie über das unwirtliche Grenzgebiet in den Iran, durch Teheran, in die Berge Kurdistans und weiter in die Türkei. Ursprünglich Teil der Seidenstraße, ist diese Route mittlerweile eine häufig benutzte Schmugglerroute. In Istanbul beginnt der beschwerlichste Teil der Reise. Von dort aus geht es, 40 Stunden eingeschlossen mit anderen verzweifelten Flüchtlingen in einem Frachtcontainer, weiter nach Italien. Für die Überlebenden dieses Horrortrips ist der Weg aber noch nicht beendet. Mit zähem Überlebenswillen, Mut und einer guten Portion Glück schlagen sie sich durch und erreichen endlich das Flüchtlingslager Sangatte in Frankreich. Von hier aus gilt es die letzte Hürde zu überwinden: Als blinde Passagiere auf einem Lastwagen nach Großbritannien zu kommen.
Trotz des dokumentarischen Charakters des Films untermalt Winterbottom seine Bilder mit emotionalen Orchesterklängen, verstreicht die Momentaufnahmen ins Flächige eines Nacheinander, das keine Länge kennt. Das heißt auch: Stunden, Tage, Wochen des Ausgeliefertseins, des Nichtstuns, des Nicht-weiter-Wissens. Von den Momenten, die eine solche Flucht ausmachen, gibt es nur Auszüge, Andeutungen, Ahnungen. Das ist kein Fehler des Films, denn er behauptet nirgends, mehr zu zeigen zu wollen als Annäherungen ans Unbegreifliche eines solchen lebensgefährlichen Unternehmens. Der Raum der Fiktion schließt sich um den dokumentarischen Kern mit allen Konsequenzen.
Die Entscheidung Winterbottoms sich auf eine Geschichte von zwei afghanischen Flüchtlingen zu konzentrieren, zielt darauf ab, zu verdeutlichen, dass man, so Winterbottom „nicht sagen kann, hier ist ein politischer Migrant und dort ist ein wirtschaftlicher Flüchtling. Das sind Definitionen, mit denen man versucht Unterschiede zu kreieren, die nicht wirklich in der Realität existieren.“

Da die Dreharbeiten zum Film vier Monate nach dem 11. September 2001 bgonnen worden sind, wurde die Arbeit erheblich erschwert. So mussten zum Beispiel 10% des Budgets für Versicherungen verwendet werden. Die Hauptdarsteller, die vor Ort gecastet wurden, waren niemals vorher aus Pakistan herausgekommen. Alles was gefilmt wurde, erlebten sie sozusagen real. Neben den gelbstichigen, wackligen Bildern, trug auch die grobe Drehbuchvorlage im Wesentlichen zu dem dokumentarähnlichen Charakter des Films bei.
Ein außergewöhnlicher, sehenswerter Film mit einer seltenen Kraft.