Brasilien 2003; 100 Min.; OmU
Regie: Eliane Caffé; mit: José Dumont, Nelson Xavier, Gero Camilo, Rui Resende, Luci Pereira, Matheus Nachtergaele, Nelson Dantas u.a.

Ein ehrgeiziges Staudammprojekt im Nordosten Brasiliens bedroht die Existenz des Dörfchens Javé, denn es soll in den Fluten des künftigen Stausees untergehen. Es besteht nur noch eine Chance auf Rettung. Nur Orte von besonderer historischer Bedeutung sollen vom Untergang verschont bleiben, so wollen es zumindest die Dorfbewohner erfahren haben. Und so kommt ihnen der rettende Einfall: In einer „wissenschaftlichen“ Abhandlung soll die geschichtliche Größe von Javé schriftlich niedergelegt werden und so als Beweis für die Schutzwürdigkeit des Ortes dienen.

Doch es stellt sich ein klitzekleines Problem. Die Einwohner sind des Lesens und Schreibens nicht mächtig – ALLE! Bis auf einen: Antonio Biá (José Dumont).
Der ehemalige Postbeamte der ländlichen Siedlung wurde jedoch in Schimpf und Schande des Dorfes verwiesen, weil er die bodenlose Frechheit besaß, im Namen der Dörfler und ohne deren Wissen eine postalische Korrespondenz in Gang zu setzen. Und das alles nur, um auf gewitzte, einfallsreiche Art seinen Job zu sichern. Ein gewiss sehr undankbarer Beruf – Postler inmitten lauter Analphabeten!

So wird der ehemals Verbannte erneut in die örtliche Gemeinschaft aufgenommen, um aus dem Fundus der mündlich erzählten Geschichten der Bewohner ein „wissenschaftliches“ Werk der Geschichtsschreibung herzustellen. Er hört sich also die Geschichten der Leute an und wird dabei Zeuge eines komisch anmutenden Wettstreits um die „bessere“ Geschichts- oder vielmehr Geschichten-Erzählung.

„Narradores de Javé“ ist eine augenzwinkernde Geschichte eines poetry slams der besonderen Art. Diesmal ohne Prämierung der besten Narradores (Erzähler).

„Narradores de Javé“ ist der zweite Spielfilm der brasilianischen Regisseurin Eliane Caffé und der erste von ihr, der in Deutschland in den wirklich guten Kinos kommt. Wir freuen uns darüber, diesen ausgezeichneten, aktuellen Film so früh zeigen zu können, denn er lief erst in diesem Sommer an (deutsche Verleiher sind oftmals ein wenig zögerlich).

Ausgezeichnet wurde der Film 2003 auf dem Brüsseler International Independent Film Festival mit dem Großen Preis, dem FIPRESCI-Preis der internationalen Kritikerjury auf dem Filmfestival in Fribourg und gleich mit drei Hauptpreisen beim Filmfestival von Rio de Janeiro: als bester Film, für den besten männlichen Hauptdarsteller und mit dem Publikumspreis.

Auf den Filmfesten waren sich die Berufsnörgler (Kritiker) und die laienhaften Besserwisser (das Publikum) darin einig, einen guten Film gesehen zu haben.
Das lässt für die Konstanzer Erstaufführung doch nur das Beste hoffen, oder?