Als Gus Van Sant ankündigte, einen Film über das Columbine-Massaker drehen zu wollen, versetzte das die Cineasten weltweit in Aufruhr. Denn der Name Van Sant ist ja – wie kaum ein zweiter – sehr eng verknüpft mit einer Uneinheitlichkeit, was die Qualität seiner Filme betrifft. Zwischen kommerziellem Schwachsinn (Good Will Hunting) und kommerziellem Wahnsinn (My Own Private Idaho) war da alles dabei – was die Sache mit den Erwartungshaltungen natürlich etwas schwierig macht. Nun – um die Sache etwas abzukürzen: Das (Er)Warten hat sich in jedem Fall gelohnt. Elephant ist ein großer, vielleicht der großartigste Film von Van Sant bisher.
Im ersten Teil des Films, der eine chronologische Erzählweise zugunsten von kleinen fragmenthaften Episoden aufgibt, begegnen wir einzelnen Schülern in ihrem Schulalltag an einer amerikanischen Highschool: da wäre der allseits Beliebte, das Mauerblümchen, das sich im Sportunterricht nicht vor ihren Mitschülerinnen umziehen will, der schüchterne kreative Fotograph, sowie das Bulimie-Mädchen-Trio, das sowohl die Nahrungsaufnahme, wie auch die Entledigung von derselben gemeinsam bestreitet.

In langen Kamerafahrten folgt der Beobachter den einzelnen Protagonisten durch endlose Korridore. Das Gehen an sich, das unaufhaltsame Voranschreiten der Dinge, scheint das zentrale Bild des Films zu sein (man achte auch auf die zwischengeschnittenen Wolken-Sequenzen). Durch die zeitliche Überlagerung der einzelnen Episoden, kommt es somit zu Überschneidungen und Widerholungen aus unterschiedlichen Perspektiven, die neue Details ins Blickfeld rücken – Details jedoch, die weder Schlüssel sind noch sein wollen. Es geht nicht darum, das finale Massaker in irgend einer Weise zu erklären. Weder durch die Nazi-Dokumentation, die im Fernsehen läuft, während die Amokläufer ein Waffenpaket geliefert bekommen, noch durch die homosexuelle Beziehung, die die zwei verbindet. Auch dass andere Protagonisten zum Teil sehr klischeehaft nachgezeichnet sind, stört nicht im Geringsten – es spielt vielmehr überhaupt keine Rolle.

Elephant will keinen Erklärungsversuch über die „Hintergründe und Umstände“ à la Michael Moore anbieten. Vielmehr erzählt er in ruhigen, beinahe schon meditativen Bildern von einem Unglück, das unaufhaltsam heraufzieht und den Zuschauer weder wütend noch ängstlich, sondern einfach nur fassungslos zurück lässt.