Völlig unspektakulär geht das Leben in der verschlafenen Dorfgemeinschaft der ecuadorianischen Anden seinen gewohnten Gang. Obwohl die persönlichen Geschichten aller Dorfbewohner eng miteinander geknüpft sind, lebt jeder scheinbar auf seinem eigenen Planeten.

Die strenge Schuldirektorin Norma hat die Zügel fest in der Hand. Im Grunde ist sie eine einsame und frustrierte Frau, die wie besessen Zuflucht in der Religion sucht. Als eines Tages der deutsche Pfarrer David Zeitler auf der Bildfläche erscheint, werden zu ihrer Empörung die bisherigen drakonischen Erziehungsmaßnahmen allmählich untergraben.

Der idealistische Pfarrer bringt mit seinen innovativen Ideen und unorthodoxen Aufklärungsmethoden frischen Wind ins Dorf. Wenn auch die erwachsenen Dorfbewohner zunächst entsetzt und verwirrt reagieren, hören ihm zumindest die Kinder mit großer Aufmerksamkeit zu. Da ist das einsame Mädchen Carolina, deren Mutter als Prostituierte im Dorf geächtet wird. Unter ihnen ist auch der arme Martín, den neben Pfarrer Davids Predigten nur noch eines zu fesseln vermag: die so genannten Freikämpfe „Cachascán“. Es sind die beliebten Ringkämpfe, die vom alten Schurken Don Sata wöchentlich organisiert werden, um sich mit Wetteinsätzen und anderen Gaunereien sein Geld zu verdienen. Doch für Martín ist das eine bunte Welt voller Fantasien. Auch Pfarrer David regt ihn zum Träumen an. Doch mit der wachsenden Hoffnung der Kinder wachsen auch die Verwirrung und die Probleme. Eines Tages bricht in diese bunte, fantastische Welt des Ringkampfes ein maskierter Kämpfer namens „Argonauta“ ein, der ein folgenreiches Duell mit dem Lokalmatador „Bestia Loca“ fordert, einem rauen, sympathischen Kämpfer. Besondere Verblüffung und Euphorie stiftet der mysteriöse „Argonauta“ mit der schrecklichsten aller Herausforderungen: Maske oder Haar. Ein heiliges Ritual der Freikämpfe. Wer die Maske verliert, darf nie wieder zum Kampf antreten. Der das Haar verliert, darf es sich als Zeichen der Schande nie wieder wachsen lassen. Es kommt schließlich zu einem Kampf, der das Leben im Dorf definitiv verändern wird…

Die ecuadorianische Regisseurin Viviana Cordero hat sich in ihrer Heimat unter anderem auch mit Romanen und Theaterstücken einen Namen gemacht. Ein Titan im Ring wurde vor genau einem Jahr auf dem Iberoamerikanischen Filmfestival in Huelva (Spanien) ausgezeichnet. Es ist ein ebenso ehrlicher wie poetischer Film, den sich keiner von Euch entgehen lassen sollte. Die Regisseurin versteht es, die krasse Realität Ecuadors ungeschönt und gleichsam humorvoll zu zeichnen. Diese ungewöhnliche wie charmante Geschichte wurde in einem kleinen Andendorf namens San Ramón de Mulalo mit den dort lebenden Einwohnern gedreht. Es ist eine magische Reise in die Anden, nach Ecuador – einem Land, das keine funktionierende Filmindustrie kennt. An Kreativität und Abenteuerlust hat es dem Filmteam jedoch nicht gemangelt…