Da windet sich am Londoner Autobahnring, der M 25, ein merkwürdiger Mann aus einem Gulli und wird von einem Taxi mitgenommen. Kurze Zeit später hat er wie durch Zauberei die Identität des Taxifahrers angenommen, das erste “Leben“ des Tomas Katz.

So wie der Titel auf die neun Leben einer Katze anspielt, hat auch Tomas Katz neun Leben – oder man sollte besser sagen: Identitäten – in diesem Film. Wie das genau vor sich geht, bleibt letztendlich der Fantasie des Zuschauers überlassen. Nur eines ist klar: Dieser Mr. Katz sorgt innerhalb eines Tages für gehörige Unruhe in London. Es ist die Zeit der Sonnenfinsternis an der Jahrtausendwende.

Aus England kamen in den letzten Jahren viele ungewöhnliche Filme, wenn aber ein Film von der englischen Presse als “zutiefst exzentrisch“ und “Quelle der Innovation mit hohem Kult Potential“ bezeichnet wird, muss er noch mehr aus dem Rahmen fallen als gewöhnlich. Und das tut „Tomas Katz“ in der Tat. Gedreht auf Video und 16mm-Schwarzweiß, verbindet dieser Film Videoclip-Ästhetik mit der Optik deutscher expressionistischer Filme. Herausgekommen sind visuell beeindruckende Bilder, die London als eine Stadt erscheinen lassen, die voller Mythen und Geheimnisse ist.

Aber zurück zur Handlung: Tomas Katz sorgt für Chaos in der Stadt, als Fischereiminister erklärt er Gwupigrubynudnyland, einem Staat im Mittelfernnahen Osten, den Krieg. Um den drohenden Untergang abzuwenden, ermittelt der nicht weniger mysteriöse, blinde Polizeichef von London. Statt normale Ermittlungen durchzuführen, sammelt er seine Informationen aber auf der astralen Ebene und in der Geisterwelt. Und dann war da auch noch die Sonnenfinsternis…

Ein Film also voller Skurrilitäten und einem unterschwelligen Humor, wie ihn wohl nur die Engländer hervorbringen können. Das Skurrilste ist allerdings, dass er von Hans W. Geißendörfer produziert worden ist, dem Vater der „Lindenstraße“, denn mit einer „Lindenstraßen“-Folge hat dieser Film in etwa so viel zu tun, wie – sagen wir mal – London mit Konstanz.