Währt die Liebe über den Tod hinaus? Darum geht es in dem neuen(-alten) Film des mittlerweile 76-jährigen Nouvelle-Vague-Regisseurs Jacques Rivette. Und er weiß noch immer von den Geheimnissen und Rätseln der Liebe so zu erzählen, dass 150 Minuten nicht zu lang werden.

In Paris lebt der Uhrmacher Jean (Jerzy Radziwilowicz), der mit Leidenschaft und Präzision alte, kunstvolle Uhrwerke repariert. Er ist somit ein Experte für die Zeit, er kann sie zurückdrehen, er kann sie vorstellen, und diese Fähigkeit zur Manipulation der Zeit ist kein Zufall in dieser Geschichte. Jeans einziger Gesprächspartner ist eine Katze, mit der er in seiner verwunschenen Villa mitten in Paris lebt. Da bringt die amour fou zu der schönen Marie (Emmanuelle Béart) sein gleichförmiges Leben aus der Balance.
Es ist eine wilde, erotische Liebe, die die beiden überwältigt. Doch immer wieder entfernt sich Marie wie eine Fremde aus der Zweisamkeit, sperrt sich in eine Dachkammer ein, verschwindet scheinbar in eine andere Welt. Als Dritte im Bunde erscheint die geheimnisvolle Madame X (Anne Brochet). Sie handelt mit gefälschten Antiquitäten, wird deswegen von Jean erpresst. Auf magische Weise ist sie aber auch mit Marie verbunden.

Schon 1975 begann Rivette mit den Dreharbeiten für Die Geschichte von Marie und Julien mit Leslie Caron und Albert Finney in den Hauptrollen, um am dritten Tag spurlos von der Bildfläche zu verschwinden – ganze zwei Jahre lang. Der Film sollte Teil seiner Tetralogie ”Töchter des Himmels” werden, von der bislang nur zwei Filme (Duelle und Noroît) realisiert waren. Nach fast 30 Jahren hat er sich der Geschichte nun wieder angenommen. Herausgekommen ist dabei ”eine überzeugende, weil fließende Regiearbeit, bei der jede Aufnahme ein Feuerwerk an Schönheit, Feuer, ausgetauschten Blicken und blendenden, fast schmerzhaften Wahrheiten ist.” (L’Express)

Frankreich 2003; 150 Min; OmU
Regie: Jacques Rivette; Drehbuch: Pascal Bonitzer, Christine Laurent, Jacques Rivette; Kamera: William Lubtchansky; mit: Emmanuelle Béart, Jerzy Radziwilowicz, Anne Brochet, u.a.
FSK: ab 12