Dass die einst so stolze, doch nun beinahe vergessene Dampflok „Heart of Fire“ für ein Hollywood-Filmprojekt an die USA verkauft werden soll, erfüllt einige Uruguayer mit Freude. Für drei gebrechliche Veteranen der „Friends of the Rails Association“ liefert dieser geplante Verkauf allerdings den Anlass, die historische Lokomotive mit allen Mitteln zu retten.

Also kapern der herzkranke und angeschlagene „Professor“, der leicht senile Dante, und der geschwätzige Pepe mit einem kleinen Jungen im Schlepptau kurzerhand die alternde Lok. Unter dem Schlachtruf „Unser nationales Erbe steht nicht zum Verkauf“ reisen sie entlang der alten, längst verlassenen Bahnlinien Uruguays in Richtung brasilianische Grenze. Dieses scheinbar aussichtslose Unterfangen und die nicht unwesentlichen Gebrechen der Entführer, ziehen unweigerlich eine Reihe abenteuerlicher Erlebnisse mit sich. Von den Behörden verfolgt, erlangen die Vier dennoch die Unterstützung der Menschen ihres Landes. Menschen, die seit der Stilllegung der Bahnlinie in einer Art Isolation leben. Für sie bedeutet der ungleiche Kampf um die Lokomotive ein Zeichen der Hoffnung.

„Es ist gar nicht so einfach, diesen Film einem bestimmten Genre zuzuordnen, da er so viele verschiedene Elemente beinhaltet, von der Komödie bis zum Roadmovie, aber ich glaube, am nächsten kommt er einem Western.“, meint der uruguayanische Regisseur Diego Arsuaga über sein Werk. Das Drehbuch wurde zusammen mit dem spanischen Starautor Fernando León de Aranoa geschrieben, den ZEBRA-Kenner bereits durch „Los lunes al sol“ kennen gelernt haben. Bei „El último tren“ handelt es sich um den zweiten Spielfilm des Regisseurs und den ersten, der – in diesem Jahr – in Deutschland angelaufen ist.

Dieser Film wurde als erster in der Kinogeschichte Uruguays 2002 mit dem spanischen „Oscar“, dem Goya, für den besten ausländischen, spanischsprachigen Film ausgezeichnet und setzte sich dabei u.a. gegen „El crimen del padre Amaro“ (Die Versuchung des Padre Amaro) und „Un día de suerte“ durch, der übrigens auch schon im ZEBRA lief. „Ein wunderbarer Film aus Uruguay, inszeniert wie ein Western. Wunderschön und von großer Reinheit.“ (Diario El País)

Wenn „El último tren“ nur annähernd mit der Poesie dieser Formulierung mithalten kann, dann dürfen wir uns gemeinsam auf ein großartiges Filmerlebnis freuen.

Argentinien/Spanien/Uruguay 2002; 93 Min.; OmU
Regie: Diego Arsuaga; mit Héctor Alterio, Federico Luppi, Pepe Soriano, Gastón Pauls, Balaram Dinard u.a.