Für manche gilt der 4. Juli 1954 als eigentlicher Gründungstermin der Bundesrepublik Deutschland. Ob es sich dabei um eine nachträgliche Verklärung oder um die kollektive Konstruktion von Identität geht, klärt der Film von Sönke Wortmann nicht. Ihm geht es vielmehr um private Schicksale und die Verknüpfung des sportlichen Ereignisses mit seiner Erzählung aus dem Nachkriegsdeutschland.

So erzählt der Film auch weniger die Geschichte der Fußball-WM von 1954, sondern vielmehr das Leben der Familie Lubanski, das durch die Rückkehr des Kriegsgefangenen Richard Lubanski durcheinander gerät. Wie ein Fremdkörper gerät der Spätheimkehrer einerseits in die Mühlen der Bürokratie und andererseits in eine Familie, die bis dahin ohne ihn ausgekommen musste. Sein Sohn Matthias ist dem Heimkehrer völlig fremd und im folgenden wird diese Vater-Sohn-Geschichte zum zentralen Thema des Films, eingewoben in die Ereignisse der WM in der Schweiz, in die Verlockungen des Wirtschaftswunders, die Traumata des Krieges, der Schuld und ihrer Verarbeitung und des neu erwachten Selbstvertrauens.

Wortmanns Film ist sicherlich kein „Fussballfilm“, vielmehr stellt er ein Stück deutscher Geschichte dar, das derzeit kaum aktueller und beliebter sein könnte. Aber eben das macht den Film ja so interessant, da auch darin Fussball „die wichtigste Nebensache der Welt“ ist.