Eine WG in Buenos Aires, fünf Tage, fünf junge Menschen zwischen ihren großen Träumen und Vorstellungen von sich selbst und ihrem Leben einerseits und ihrer tagtäglich gelebten Realität andererseits.

Eigentlich möchte Morón als Regisseur arbeiten und Ailí als Malerin. Eigentlich fühlt sich Toro als Schauspieler, und Equis ist sicher, dass er in Paris die große Liebe finden wird. Tatsächlich aber zieht Morón ziellos mit einer Kamera herum, während Ailí als Motorradkurier arbeitet, Toro Hotelzimmer putzt und Equis sich als Koch verdingt.

Eigentlich aber, wie gesagt, fühlen sie sich alle zu Höherem berufen. Um dieses Eigentlich geht es in „Sólo por hoy“, was da heißt „nur für heute“. Nur noch heute machen sie diesen verhassten Job – bald schon wollen sie sich ihrer wahren Berufung zuwenden.

Der fünfte ist der einzige, der entweder keinerlei Visionen hat oder sie niemandem auf die Nase bindet: Moróns älterer Bruder Fernando ist vorübergehend in die WG eingezogen und scheitert schon an der einfachen Aufgabe, für einen deutschen Geschäftsmann ein Apartment zu streichen.

Wunderbar authentisch – mit WG-Küchenszenen bei denen selbst des Spanischen mächtige Zuschauer nicht mehr wissen, wem sie jetzt eigentlich zuhören sollen – setzt Ariel Rotter seine Helden an der Grenze zum richtigen Leben eben nicht in Szene. Aus tragikomischem Blickwinkel zeigt er sie in ihren flüchtigen Glücksmomenten wie in ihrer Zukunftsangst.

Lebensvisionen müssen verfolgt und hart erkämpft werden, sonst holt einen ehe man sich’s versieht der Alltag ein. „Wir sind das, was wir tagtäglich machen, und nicht, was wir erträumen“, stellt Morón noch nicht resigniert fest und will damit Ailí, in die er leise verliebt ist, aufrütteln. Selbst auf der Suche, befragt er auf der Straße mit seiner Kamera Passanten nach ihrer Vorstellung von dem, was sie glücklich machen würde. „Wenn ich das wüsste, wäre alles einfacher. Aber weniger lustig.“ Die Antwort einer verschmitzten alten Frau.

Neben einer wahrscheinlich global gültigen Lebensphasencharakterisierung so mancher „twentysomethings“ ist Ariel Rotters Film auch ein interessantes Zeitdokument: ein Film aus einer Zeit, in der sich der Zusammenbruch des wirtschaftlichen und politischen Systems in Argentinien zwar schon ankündigte, aber noch nicht begonnen hatte. So wirken die existenziellen Probleme der fünf Protagonisten heute fast heiter. Die Leiden um künstlerische Selbstfindung, um Liebe und alternative Lebensentwürfe sind sicher gleich geblieben, aber die Situation Argentiniens hat sich seit der Entstehung des Films radikal verändert.