Mit diesem Werk begibt sich Fellini auf seine ganz eigene Suche nach der verlorenen Zeit, nämlich nach seiner Jugend im Rimini der 1930er Jahre. Ob man unterstellen darf, dass es ein autobiographischer Film ist, ist nicht ganz klar, aber man könnte sich vorstellen, dass die Welt so voller Geheimnisse und Mythen, wie wir sie hier sehen, die Welt ist, wie sie den Augen des kleinen Buben Fellini erscheinen musste, oder eher noch: Den Augen des nostalgischen alten Fellini, wie er sich den Blickwinkel des kleinen zu eigen macht.

Der Film zeigt die ausladende visuelle Opulenz und die scheinbar ziellos-verspielte Poesie seiner späten Filme, aber anders als viele von diesen ist „Amarcord“ sehr klar strukturiert, dadurch dass er eine Familiengeschichte in der Zeit des Faschismus erzählt, wie auch durch den Kreislauf der vier Jahreszeiten, den der Film durchläuft: er endet, wie er auch begann, in einer Frühlingslandschaft in der es paradoxerweise zu schneien scheint (durch die weißen Flocken fliegender, wolliger Pflanzensamen).

Überbordend an poetischen Momenten vereint der Film auch groteske Komik mit Melancholie, einer Andeutung der alltäglichen Schwierigkeiten, die die Menschen im Faschismus durchmachten, mit dann wieder ungeniert mythisch überhöhten Passagen (wie die Passage des beleuchteten Ozeandampfers durch die Nacht), und verschiedene kleine sexuelle Nöte und Faszinationen sind in der Welt der hier Heranwachsenden auch ein natürlicher Bestandteil.

Für sich schon sehenswert sind auch die ausgesucht grotesken Charaktere, die Fellini großenteils aus handverlesenen Laienschauspielern aus ganz Norditalien rekrutiert hat. Ein Augenschmaus und einer der formal am besten ausbalancierten Filme Fellinis.